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Stellar Supreme

Alles, was in Zukunft mit dem Etikett „Trance“ versehen werden wird, muß sich von diesem Zeitpunkt ab an „Stellar Supreme“ messen lassen.

Claus Bachor in: CUT, Dezember 1992

15,00 

Kategorie
Produktion
Credits
Tracklist

Gedanken

I

Heute feiere ich den Geburtstag von „Stellar Supreme“, meinem ersten Solo-Album, das vor exakt 25 Jahren am 1.November 1992 veröffentlicht worden ist.

Wenn ich meine Augen schließe, dann sehe ich einen mit Glück vollgestopften jungen Mann im Wunderland. Das Wunderland war eine kleine aber helle Einraumwohnung mit Ofenheizung in Berlin- Kreuzberg, Wiener Straße/Hinterhof; ein Bett, ein Bücherregal, ein Schreibtisch und meine Lieblinge, mit denen ich in Wohn- und Lebensgemeinschaft aufs engste verbunden war:

eine 101, eine 303, eine 606, eine 909, einen Juno 106, einen Alpha Juno 2, einen JX1 und einen JD 800 (allesamt von Roland). Dazu einen EMU – Emax, eine Yamaha CS40M und einen Akai S1000.

Hier entstanden die Kompositionen für „Stellar Supreme“, die in der Summe all die seelischen Facetten meiner damaligen Existenz musikalisch auf den Punkt bringen konnten:
Das, was ich war, stimmte mit dem überein, was ich sein wollte; es war ein OHNE-WENN-UND-ABER- VERLIEBT-SEIN in die Zeit, deren Himmel voller (Techno-)Geigen war. Ein herausragender Glücksfall, der in dieser Form nur in den allerseltensten Momenten eines Lebens erlebt werden kann.

II

Kein Künstler, kein Werk kommt aus dem Nichts. So überraschend ein Publikum ein Werk findet, so schnell die Medien mit Schlagworten wie „Shooting-Star“, „geniales Album Debüt“ oder „Benchmark“ bei der Hand sind: es steckt immer eine (lange) Geschichte dahinter.
In meinem Fall 29 Jahre, von denen sich immerhin etwa 25 im Zusammenhang mit Musikmachen abgespielt haben.
Ein so genannter „großer Wurf“ setzt sich aus vielen einzelnen Elementen zusammen, die dann in einer Idealkonstellation miteinander reagieren und eine komplexe Kettenreaktion ausführen. Plötzlich entsteht eine Situation, in der persönliche Befindlichkeiten und Fähigkeiten, konzeptionelle Vorstellungen, vertriebs- und produktions-technische Möglichkeiten, emotionale und gesellschaftliche Umstände auf ungeahnt glückliche Weise zusammen treffen. Im Sommer 1992 war alles da, was ich dazu brauchte.
Ich zog in Jens Woynars`s Studio in Berlin Tempelhof und verließ es in den kommenden Wochen meist nur, wenn ich an den Wochenenden Auftritte hatte. Die Auftritte wiederum waren unglaublich wichtig für die Studioarbeit an den Stücken, da ich das, was ich live ausprobiert und erlebt hatte, dann direkt in Komposition und Mix einfließen lassen konnte. Auf „Stellar“ manifestiert sich das Spektrum meiner damals musikalisch ausdrückbaren Möglichkeiten.

III
Niemals wäre „Stellar Supreme“ so geworden ohne:
KAA – mit ihrer Liebe und ihrer Inspiration –
JENS WOYNAR – mit seiner fantastischen Arbeit als Engineer und Co-Producer – und WOLFGANG RAGWITZ – wegen seiner begnadeten Fähigkeiten als Tonmeister.

IV

Heute halte ich also inne und bin dankbar dafür, dass ich diese Zeit und alle meine Zeiten so erleben durfte, wie ich sie erlebt habe. FÜNFUNDZWANZIG JAHRE SIND KEIN TAG, so kommt es mir vor. Und gleichzeitig scheint mancher Tag länger als fünfundzwanzig Jahre zu sein.

Wer ich heute bin, war ich schon damals und gleichzeitig bin ich heute ein ganz anderer. Manche Dinge kann man gerade nur deshalb machen & erleben, weil man noch recht wenig vom Leben weiß;
andere Dinge dagegen brauchen die immensen Erfahrungen, Irrungen, Wirrungen, Selbst- Enttäuschungen und Entdeckungen als Vorbedingungen, um sie überhaupt wahrnehmen, denken und dann tun zu können.

V

Nachtrag im Mai 2025

Acht weitere Jahre sind ins Land gegangen…Jahre in denen feste persönliche Gewissheiten und Fundamente heftig angegriffen und erschüttert wurden. Viele Aspekte des Lebens deute ich nun anders.
Nicht so aber die Geschichte von „Stellar Supreme“: meine Gedanken zum „fünfundzwanzigsten Stellar – Geburtstag“ gelten unverändert damals wie heute!

Umso schöner, dass nun Dank Mario und seinem Minimalkombinat eine wunderschön gestaltete neue Doppel-Vinyl-Edition (mit neu-gemasterter original CD inklusive) das Licht der Welt erblicken wird.

Mit großem Vergnügen habe ich mich daran gemacht, eine, der Verteilung auf vier Vinyl-Strecken angemessene, teilweise neue dramaturgische Essenz der Stücke zu gestalten: jede der Seiten des Doppelalbums soll als ein in sich geschlossener Mikro-Kosmos im übergeordneten Gesamtkontext von „Stellar Supreme“ erlebbar sein.

In diesem Zusammenhang möchte ich die großartige Arbeit von Peter Loidl herausstellen, der „Stellar Supreme“ – Vinyl als auch für die CD – hocheinfühlsam neu masterte.

Es ist schön für mich, mich noch einmal kreativ mit „Stellar Supreme“ beschäftigt zu haben. Ich reiste in die Zeit ihrer Entstehung zurück und konnte sie gleichzeitig mit einem guten Gefühl als zeitloses Klang- Kontinuum in die Gegenwart und in die Zukunft überführen.

Dabei fiel mir auf, was mich heute genauso stark berührt wie damals: die Urkraft, die Schönheit, die Erhabenheit und die ganzheitliche Symbolkraft und Wirkmacht der Buckelwal-Gesänge. Ich höre diese Gesänge als künstlerisches Werk, als Zeugnis, als Appell und als Manifest der Wale als Botschafter der Natur: „Ihr Menschen (der Nordhalbkugel): begreift Euch endlich als TEIL einer interdependenten Lebens- und Weltgemeinschaft!“. Ohne diese klangliche und geistig/spirituelle Gegenwart der Wale wäre dieses Album wäre unvorstellbar…

DREIUNDDREISSIG JAHRE SIND KEIN TAG.

Kritiken

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