Produktionszeitraum: August 1997 bis Januar 1998
Veröffentlicht im September 1998 auf Intercord
Format: CD
Singleauskopplungen : Lucifer im August 1998 und Sketches in Spring im April 1999
Performed & produced by Cosmic Baby.
Composed by Cosmic Baby except track 8 by Cosmic Baby & Felicia „Kyle“ Alexander and track 13 by Alan Parsons & Eric Woolfson.
Engineered & mastered by Wolfgang Ragwitz.
Published by Cosmic Enterprises Music & Publishing GmbH except track 13 by Woolfsongs LTD./BMG.
Artwork: authentic decade, Berlin
Mit „Heaven“ wollte ich einer Fülle von großen inneren und äußeren Ansprüchen gerecht werden: es sollte charttauglich sein, und gleichzeitig anspruchsvoll, es sollte bezaubern wie „Stellar Supreme“, aber doch anders klingen, es sollte „mehr als Techno“ sein und doch Teil davon, ich wollte es Leuten „zeigen“, aus deren Umfeld ich mich schon längst gelöst hatte.
Sollte, wollte, musste…
Ich betrachtete das neue Album-Vorhaben „Heaven“ als eine Aufgabe, die ich zu lösen hatte, der ich
gerecht werden musste. Ich suchte nach vielen möglichen inspirativen Ansätzen…
Es wäre sicher eine gute Idee gewesen, „Heaven“ mit zwei radikal unterschiedlichen Seiten als Doppel-CD-Album herauszubringen. Denn zur gleichen Zeit arbeitete ich parallel weitaus zielstrebiger an den Stücken, die stringent von einer klaren Idee bestimmt waren:
elektronische (Pop-)Musik ausschließlich mit Instrumenten der 70er-Jahre zu machen (Diese Stücke waren gesammelt unter dem Thema „Industrie & Melodie“(die ich aus dokumentarischen Gründen dann im Dezember 2006, also mit 7-jähriger Verspätung veröffentlichte). Die „gleichberechtigte“ Durchsetzung dieser Stücke auf dem Album, hätte sehr wahrscheinlich zu einem befreiteren und gleichzeitig stärker konturiertem Umgang mit dem vorliegenden „Heaven“-Material führen können. Der Kopf war leider nicht frei genug – ich war einfach zu angespannt und zu unsicher: Ich machte mir zu viele Gedanken…
Jetzt aus dem Abstand heraus kann ich das Album mit viel mehr Mitgefühl und mit einem Lächeln wiederhören…und mir fällt auf, dass „Heaven“ in vielen Passagen vorwegnimmt, was seit einer gewissen Zeit gerne als „Neoklassik“ bezeichnet wird…
Harald Bluechel aka COSMIC BABY ist wohl der Protagonist der deutschen Elektronik-Szene, auf den sich am ehesten der Begriff des intellektuellen Künstlers anwenden läßt. Klassisch-musikalische Ausbildung, Studium der Musik, seit ’91 sowohl Dance-Veröffentlichungen als auch gleichzeitig Arbeiten im Soundtrack-Format, brillante Live-Performances, bourgeoises Landhausleben mit Tee am Nachmittag: Das geht alles weit über den Rahmen des 08-15-Super-DJs hinaus, der mit seinen drei differenzierten Meinungen zum Thema Underground und Zukunft einen klugen Eindruck hinterläßt. Es hat zumindest eine andere Qualität. Dementsprechend läßt “Heaven” eine Menge Spielraum für waghalsige Deutungen, die sich im Rahmen des Dauerkonfliktes zwischen Alter und Ego bewegen. “Heaven” ist das Epos eines Träumers, der zu 90% rosa und zu 10% graue Wolken vorbeiziehen läßt, überirdische Traumexperimente einbaut und klar die Irrealität als Fluchtpunkt angibt. Deutlich spürbar ist, saß Bluechels Potential riesig ist; “Heaven” aus der Feder eines anderen würde als die tausendste JEAN-MICHEL JARRE-Kopie ins Bodenlose fallen. Klischeehafte Trance-Filmmusik, die den Hauch des besonderen allein aus sich heraus noch nicht ausstrahlt, auch wenn es mit geschlossenen Augen ganz nett klingt.
[…] Harald Bluechel beweist es mit seinen eigenen Kompositionen – Synthesizer und Rhythmusmaschinen ergeben einen bisweilen schwermütigen Soundrhythmus. […] Die Symbiose aus elektronischer Musik und klassischen Kompositionsprinzipien hat es in der Form noch nie gegeben – in welche Schublade soll man den Buben also stecken? […] „Seine instrumentale Musik bietet die Möglichkeit eine vor dem inneren Auge entstehende Parallelwelt begleiten zu lassen.“ […] die jungen Menschen auf seine Musik tatsächlich tanzen […] hebt er sich deutlich von dem Massenspektakel elektronischer Musik ab.[…] Natürlich entzieht sich auch dieses Mal die Musik jeglicher Etikettierung. Und wenn, dann allerhöchstens für jene, die Harald für sich selbst geschaffen hat: „Reduzierte, elektronische Musik, die Elemente aus verschiedenen Richtungen zu einer neuen und klaren Kompositionswelt zusammenfaßt.“
Er ist ein kosmischer Nachwuchs, der durch das Weltall streift, auf dem Weg in neue unbekannte Dimensionen, sich dabei an allem ergötzlich zeigt, nur, um sich am Ende aus dem Fundus gewonnener Impressionen sein eigenes Universum zu schaffen. Dort bilden sich Planeten, stürzen Galaxien wieder ein, schlucken schwarze Löcher das Bestehende und schmeißen es am Ende als interessantes Konglomerat verschiedenster Zeitströme wieder aus. […]
[…] Cosmic Baby hat über drei Jahre gebraucht um sein neues Album zu produzieren. „Heaven“ ist ein zweigeteiltes Konzeptalbum, befaßt sich mit dem Irdischen und dem Überirdischen. „Beides“, so Bluechel, „existiert parallel“. Deshalb wird beides in der exakten zeitlichen Mitte des Album und gleichzeitig in der Mitte des Schlüsseltitels „Sketches In Spring“ musikalisch auf den ldealzustand gebracht, in dem die Dialektik von „Irdisch„ und „Überirdisch“ für kurze Zeit aufgehoben wird. Von Cosmic Baby wird zwar behauptet, daß es für seine Musik keinen terminus technicus geben könne, was auch stimmt, aber…. man kann dennoch Einflüsse hören. House, Techno, Ambient, Trance in einer Melange mit Verliebten Klaviermelodien. Sehr schön sind „To Another Plane“ und „Karma Il”, weil sie mit treibenden Beats für den nötigen Schwung auf der Tanzfläche sorgen. Lucifer tut das auch, muß aber extra erwähnt werden, weil es eine (zur Abwechslung) ideenreiche Coverversion der „Monitor“-Erkennungsmelodie von Alan Parsons ist. Die „Suite Russe” ist ein schönes kleines Klavierstück und „Good Times” erinnert an die guten alten (und neuen) Zeiten des Breakdance. Das Schönste an „Heaven“ aber ist seine Authentizität. […]
[…] Der Techno-Blade-Runner ist Jahrgang ’66 und somit eigentlich zu alt für Techno. Der Techno-“Heaven” von Cosmic Baby liegt anno ’98 folgerichtig nicht in Mundgeruch-Weite von Techno-Mama-Marusha, sondern im weißen Listening-Rauschen der Leute, die sich in den 80ern von den Helden der70er haben beeinflussen lassen. “Heaven” ist also genial oder daneben. Dazwischen gibt es nichts. Cosmic Baby hat dem Album zunächst einmal einen philosophischen Überbau verpaßt. Dieser ist im New-Age-Sinne umfassend oder beliebig ganz nach Belieben. Das philosophische Thema ist eigentlich uninteressant. Viel interessanter, da neu, ist der Versuch, die wortlose Elektronik mit Theorie und inhaltlichem Konzept an die Alben-Kultur der 70er anzukoppeln. “Heaven” ist kein Techno-Pop-Album wie Sven Väths “Fusion”. Es ist der Versuch, einer per Definition eindimensionalen Musik mit den Mitteln des Doppelalbums neues Leben einzuhauchen. Das Album, das Konzept, der Künstler, die Ideologie – Elektronik auf zwischenmenschlich, ambitioniert, sophisticated, liebenswert und doch zu nah am Alan Parsons Project. Oder hat da jemand versucht, “The Wall” fürs neue Jahrtausend vorwegzunehmen? […]